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Geschichte & Hintergründe

Der Blumenthaler Waldruhe und Abgeschiedenheit mögen anno 1707 den Generaladjutanten des ersten preußischen Königs Friedrich I. (1657–1713), Grand Maitre Paul Anton von Kameke, bewogen haben, auf Gut Prötzel seinen Landsitz zu nehmen und 1712 mit dem Schlossbau zu beginnen.

Das Schloss schuf vor nunmehr 300 Jahren Andreas Schlüter (1659–1714), der bedeutendste Bildhauer des preußischen Barock. Mit dem Prötzeler Schloss (Bauleiter Martin Böhme) entstand ein Kleinod, das kulturhistorisch betrachtet, in Brandenburg seinesgleichen sucht.

Nach Süden hin, zum gegenüberliegenden See, entstand in der Querachse des Schlosses eine repräsentative Barockgartenanlage. Eine weiße Holzbrücke führte auf eine im Schlosssee gelagerte Insel mit Blick auf das südliche Ufer zu einem Tiergehege mit weißen Hirschen. Auf dem nördlich des Schlosses gelegenen Hügel entstand 1765 eine Windmühle.

„Wenn man von Berlin nach Prötzel kommt“, heißt es bei Bernoulli, „so führt eine schöne 620 Schritt lange, gepflasterte Lindenallee nach dem Hofe des Schlosses“. In eben dieser Richtung liegt die barocke Schlosskirche.

Im Jahre 1801 wechselte in Prötzel die Herrschaft. Ernst Jacob Freiherr von Eckardstein kaufte dem Grafen Alexander Friedrich von Kameke die Rittergüter um Prötzel ab. Sein Nachfolger, Ernst Karl Christoph von Eckardstein, ließ das Herrenhaus vier Jahre nach seiner Inbesitznahme im neuen Geschmack der Zeit verändern. An der Hofseite erhielt das Portal seine gegenwärtige Gestaltung. Gartenseitig wurden die Fassaden verändert. Als hierfür verantwortlicher Architekt wird Friedrich August Stüler genannt.

Das Herrenhaus in Prötzel ist von Kamekescher Zeit hinsichtlich seiner architektonischen Komposition als außergewöhnliches Bauwerk im Rahmen der märkischen Bautradition des Adels auf dem Lande anzusehen. Im 18. Jahrhundert war der Garten von Schloss Prötzel neben den königlichen Parkanlagen einer der glanzvollsten und aufwendigsten in Brandenburg. Der Landsitz Prötzel bot mit Schmuckflächen, Lustwäldchen, Jagdstern, Orangerie und Fontänen alles, um als Pendant des königlichen Hofes angesehen zu werden.

Nach 1945 wurde das Schloss als Kulturhaus der MAS, später der LPG verwandt und dabei in der Innenarchitektur völlig verändert. Die Pflege des Parkes ging immer mehr zurück. Auf den Schmuckflächen wurde ein Fußballplatz angelegt und das gut durchdachte, den schwierigen Wasserverhältnissen angepasste Entwässerungssystem verfiel, so dass viele alte Bäume an Staunässe eingingen. Anfang 1993 wurde eine gartendenkmalpflegerische Konzeption erarbeitet, die die Grundlage für alle weiteren Rekonstruktionsmaßnahmen bilden soll.